M I L E S

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Es ist, was es ist: Erden, zermahlener Ziegelstein, Kalk, Asche und Ruß... „_MILES“ ist eine Beschreibung der Strukturen und Oberflächen unserer Welt und erinnert an einen Blick aus dem Flugzeug oder an Satellitenbilder – realistisch, abstrakt, topografisch. Erstaunlich dabei ist, dass Aufnahmen aus dem Orbit meist zwei Assoziationen wecken, zum einen die Schönheit, die vermeintliche Unversehrtheit und die unendliche Weite auf unserem blauen Planeten, zum anderen das Aufzeigen des menschlichen Einflusses und den damit einhergehenden katastrophalen Folgen für die Erde: verkalkte, ausgelaugte und erodierende Böden, Versalzungen, Hitzefelder, Verkarstungen, Erosionen, Rodungen und Verwüstungen.

Diese zwei Blickwinkel, die gegensätzlicher nicht sein können, interessieren Jens Rausch. Mit diesen setzt er sich in seinen Werken malerisch, prozesshaft und materiell auseinander. Er erschafft innerhalb dieses Sujets Werke voller Experimentierfreude direkt mit dem Material, schürft, schichtet (auf), erodiert, oxidiert, verströmt oder verwirbelt. Und wie er selbst sagt, „zur Entspannung“ neben seinen anderen Werkserien. Beim Schaffensprozess orientiert sich Jens Rausch bei jedem Werk an einer ureigenen Bildidee. Diese kombiniert er mit den Werktiteln, welche am ehesten den jeweiligen Prozess beschreiben und für ihn wie eine Art Arbeitsanleitung seines handwerklichen Tuns zu verstehen sind: Senken, Erdgeschichte, Verwirbelungen, Strömungen. Die Titel eint auch eine Mehrdeutigkeit, wie sich beispielsweise im Werk „Strom“, einem Flusslauf in einer Art nächtlicher Aufsicht, zeigt. Durch das schimmernde Blattgold, das auch an eine Leiterplatte erinnern kann, entsteht eine Lichtsituation, die materiell wie metaphysisch für den Energiefluss unserer Zeit steht und gleichzeitig vom Künstler dem natürlichen Flussverlauf gegenübergestellt wird.

Dabei bleibt es in Jens Rauschs neuen Bildwelten oft vage, ob es sich beispielsweise bei den Wolkenformationen um industrielle Emissionen, Brände oder natürliche Nebelschwaden handelt. Ob die Strukturen eines künstlichen, menschengemachten Ursprungs sind oder eines natürlichen Ursprungs entstammen. Als Maler überführt er die Abstraktion in die Realität. Der mitunter dunstig aufgetragene Wolkenschleier verweist darauf, dass hier die Abstraktion nicht bloß durch Zufall, aus Material und strukturellen Eigenschaften generiert wurde, sondern dass es sich hier um eine konkrete Bildinformation handelt.

Dies bildet auch die Grundlage im malerischen Prozess von Jens Rausch: Er löst viele der Prozesse künstlich- künstlerisch aus, generiert immer wieder den Zufall, reagiert fortlaufend malerisch darauf, schärft dabei das Prozesshafte und formt einzelne Partien teils akribisch aus. Diese Prozesse haben ihren Ursprung in einer Art Urmasse, die der Künstler teils modellierend auf die Leinwand bringt, malt, verklebt, montiert und anschließend wortwörtlich modellierend durchkämmt, laugt, ätzt, abschichtet oder eben abwäscht, den natürlichen Auswaschungen und Erosionen gleich. Dabei bricht er die Leinwand bzw. strukturierten Material- Massen immer wieder neu auf und erschafft damit Erosionen, „Erdrisse“ und Abschürfungen, der wahrhaften Erdgeschichte gleich. Jens Rausch (re-)interpretiert bzw. transformiert somit materialbedingt seine Werke immer wieder neu und führt uns darin das künstliche und menschengemachte vor Augen. Er lässt so alles wortwörtlich begreifbar werden, denn diese Schürfungen, Grate und Höhungen lassen sich wunderbar strukturell und äußerst haptisch erfassen.

In seiner neuen Werkserie „_MILES“ deutet Jens Rausch auf Szenerien unserer Welt hin. Was von weit weg und im Kleinen so friedlich und ästhetisch wirkt, zeigt in Wahrheit mitunter desaströse Umweltentwicklungen und Spuren des Menschen: Rodungen, Schürfungen, Zersiedelung, Verödung, den Entzug natürlicher Ressourcen. Aber auch Begrenzungen und Grenzziehungen, soziale wie politische, fließen in die Arbeiten ein. Jens Rausch erschafft mit seinen zunächst abstrakt wirkenden Landschaftsgebilden eine äußerst realistische Malerei, zu einer beständigen Veränderung, Fragilität und Brüchigkeit unserer Erd-Oberfläche: prozesshaft, experimentell und materiell.

Andreas Herrmann

Rissbildungen

Öl, Kupferoxid, Gips, Bitumen auf Leinwand

140 x 170 x 6 cm, 2023

Bruckstücke – Fragment III

Öl, Gips, Azurit und Kupferoxid und Bitumen auf Leinwand

95 x 134 x 6 cm, 2023

Verdriftung_Fragment I

Öl, Gips, Kupferoxid und Bitumen auf Leinwand

74 x 130 x 6 cm, 2023

Freiflächen

Öl, Kalk, Bitumen auf Leinwand

100 x 90 cm, 2022

Verschiebungen

Öl, Erden, Kalk und Bitumen auf Leinwand

50 x 60 x 6 cm, 2021

Einfluss

Öl, Feldspat, Marmormehl, Grafit, Kalk, Erden, Bitumen auf Leinwand

70 x 80 x 6 cm, 2022

Grenzgebiet

Öl, Kalk, Gips Erden, Bitumen auf Leinwand

90 x 100 x 6cm, 2022

Miles III (städtisch)

Öl, Gips, Kalk auf Leinwand

45,5 x 36 cm, 2020

Erden

Öl, Ruß, Kalk, Kupferoxid, Bitumen auf Leinwand

60 x 70 cm, 2021

Miles II

Öl, Kalk, Gips, Feuer, Eisen- und Kupferferoxid auf Leinwand

52,5 x 45 cm, 2020

Gebirgszug

Öl, Ruß, Erden, Bitumen auf Leinwand

30 x 40 cm, 2022

Miles IV (geostrategisch)

Öl, Feuer, Feldspat, Kalk, Ruß, Lithopone, Eisenoxid, Grafit auf Leinwand

50 x 40 cm, 2020

Hitzefelder

Öl, Kalk, Gips, Ruß, Bitumen, Feuer auf Leinwand

70 x 90 cm, 2022

Schürfungen

Öl, Asche, Kalk, Chrom, Grafit, Kupferoxid, Bitumen auf Leinwand

30 x 40 x 6 cm, 2022

Grenzflächen

Öl, Erden, Kalk und Bitumen auf Leinwand

50 x 60 cm, 2023

Grenzland, Erden

Sand, Kalk, Ruß und Bitumen auf Leinwand

70 x 90 cm, 2022

Ölsand

Öl, Sand, Erden, Kupferoxid und Bitumen auf Leinwand

90 x 110 2022

Aufklärung

Öl, Erden, Kalk, Bitumen auf Leinwand

90 x 100, 2022

Landstück

Öl, Kalk, Erden,Eisenoxid und Bitumen auf Leinwand

59 x 70 cm, 2022

Atoll

Oel, Kupferoxid, Kalk, Erden, Leuchtpigment, Bitumen auf Leinwand

30 x 40 x 6 cm, 2024

Inselbildung

Öl, Sand, Mangan, Kalk und Bitumen auf Leinwand

20 x 30 x 6 cm, 2022

Verströmung

Öl, Erden, Sand, Leuchtpigmente, Mangan, Kalk, Bitumen auf Leinwand

30 x 40 cm, 2022

Rinnen

Öl, Erden, Kalk und Bitumen auf Leinwand

60 x 70 cm, 2022